
Das Auto hat keine Fehler. Das Auto ist ein Fehler. – anonym (500)
Obwohl du in diesem Land, in dieser Region verhältnismäßig unbeschadet deine Meinung äußern und deine Volksvertreter frei bestimmen darfst (wenn auch das Angebot eher dürftig ist), behaupte ich, du lebst in einer Autokratie. Nicht im Sinne der “Selbstherrschaft”, sondern in dem der “Automobilherrschaft”. Das wird nicht nur an der Beliebtheit des “Autofestivals” deutlich. Und was gibt es da eigentlich zu feiern? Die dreifache CO2-Belastung der Atmosphäre bei Herstellung, Nutzung und Verschrottung der Fahrzeuge? Den erschreckend niedrigen Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors? Die Versiegelung der Landschaft? Die Kriege und Umweltkatastrophen, die die Gier nach Erdöl verursacht? Den Lärm, den Staub, die Tausenden von Verkehrstoten? Feierst du mit?
Dem Auto geht es zur Zeit wie einem Dinosaurier in der Endzeit. Es spürt, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, dass der Raum zum Überleben immer enger wird. Deshalb rafft es sich in seiner Verzweiflung nochmals zu Höchstleistungen auf. - anonym (501)
Vermeintlich wird mit dem Auto die Freiheit gefeiert, die Mobilität. Aber gibt es sie wirklich noch, und wenn ja, zu welchem Preis?
Früher fuhr man dorthin, wo es etwas Schönes zu sehen gab. Heute fährt man dahin, wo es einen Parkplatz gibt. – Françoise Arnoul (502)
Das Auto ist eine gut gemeinte Erfindung, die aber weder wirklich durchdacht noch für eine massenhafte Verbreitung geeignet ist. Die Schäden die es verursacht sind enorm, und sie beschränken sich nicht auf Luftverschmutzung und Lärmbelästigung.
Die Eindringtiefe des Autos in unsere mentalen Landkarten lässt sich etwa daran ermessen, dass man Staus zur Urlaubszeit für normal hält, 4.000 Verkehrstote für gering oder den Landschaftsverbrauch durch Straßen für gerechtfertigt – wenn es dem Verkehrsfluss dient, darf’s gern noch eine Spur mehr sein, obwohl uns die Kybernetiker seit 30 Jahren vorrechnen, dass er gerade dann nicht fließt, der Verkehr, wenn besonders viel Bahn da ist. – Harald Welzer (504)
Das Automobil hat die ganze Gesellschaft in seinem Sinne umgeformt und sie von sich abhängig gemacht. Die Infrastruktur der Städte und Siedlungen dient heute dem Individualverkehr. Die Zentralisierung von Arbeitsplätzen, Geschäften und Kulturstätten ist eine Folge der ursprünglich naiv angenommenen und linear gedachten Entwicklungsmöglichkeiten dieser Art von Fortbewegung; sie selbst wiederum führt zu einem unglaublich verschwenderischen Umgang mit Energie, zu Anonymität, Unsicherheit, Stress und Gesundheitsproblemen.
Müssen Kinder in der Garage bleiben, damit Autos draußen spielen können? – anonym (503)
Letztlich trägt die strukturelle Vergewaltigung des menschlichen Lebensraums durch das Automobil die Hauptschuld an der Arbeitslosigkeit. Kleine, autonome Siedlungen mit kurzen Verbindungswegen sind nämlich nicht nur gesünder und beziehungsfreundlicher, sondern auch arbeitsintensiver, energieeffizienter und zeitsparender als große Städte mit tagsüber fast ungenutzten Vororten. Die Frage lautet nur: Wann sieht der Mensch das ein, wann überwindet er seine noch gar nicht alten automobilen Süchte und Gewohnheiten und denkt endlich darüber hinaus? – Denn es geht tatsächlich um ein “weiter”, nicht um ein “zurück”. Es geht um dezentralisierte Arbeitsplätze, lokale Dienstleistungsbetriebe, eine regionale Lebensmittelproduktion.
(Das) Problem (ist) nicht ein spezifischer Typ von Antrieb zur Verwirklichung von Mobilitätsvorstellungen, sondern das Konzept von Mobilität, dem die Bewohner moderner Gesellschaften huldigen. Nicht nur sie selbst halten es für sinnvoll und normal, ausgerechnet in Zeiten ungeahnter und weltumspannender Kommunikationsmöglichkeiten pausenlos unterwegs zu sein, sondern schicken auch die Waren und Güter, die sie zu benötigen glauben, auf so unendliche Reisen, dass ein Apfel schon 10.000 Kilometer zurückgelegt haben kann, bevor er gegessen oder in der Tonne für Ökoabfälle entsorgt wird, weil er überflüssigerweise gekauft wurde. – Harald Welzer (504)
Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass ein “Autofestival” vor allem dazu dient, die Unlust und Unfähigkeit zu überspielen, die viele von uns materiell Verwöhnten mit der bewussten Änderung ihrer Gewohnheiten im Hinblick auf Mobilität haben – oder vielleicht die Angst davor, in einem unkreativen, konformistischen Umfeld das Neue zu wagen.
Haben sich die Autokonstrukteure eigentlich schon Gedanken darüber gemacht, dass der Wagentyp der Zukunft hauptsächlich für die Garage bestimmt ist? – Marcel Duglos (505)
G.P.
Quellen: 500, 501, 502, 503, 505 – www.zitate.de, Stichwort “Auto” ; 504 – Deutschlandfunk, Sendung “Wohlstand ohne Wachstum“