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Sie nehmen in jeder Zeitschriftenhandlung einen beachtlichen Raum ein: Die bunten Magazine mit lustigen Schriftzügen für Kinder jeden Alters und mit allen erdenklichen Interessen.

Pädagogisch wertvolle oder fantasieanregende Ware ist in dem unübersichtlichen Angebot kaum zu finden. Vor allem attraktiv müssen die Blättchen sein, denn sie sollen ja das Kinderherz erobern (sprich: die Eltern zum Kauf bewegen), und mit der enormen Konkurrenz – nicht zuletzt von Internetseiten – mithalten.

Also präsentiert sich heute jedes Kinderblatt, das etwas auf sich hält, in Folie eingeschweißt und mit made-in-China Plastikramsch in Form eines äußerlich “coolen” Gimmicks, das bereits nach einigen Stunden (Minuten?) abgearbeitet im Schrank auf dem Haufen vergessener Spielsachen oder aber kaputt im Abfall landet. Woche für Woche werden so viele Hundert Tonnen Plastik nutzlos geformt, eingefärbt, verpackt, verschickt und “entsorgt”.

Deutlicher kann man die Respektlosigkeit gegenüber den kleinsten und schwächsten Mitgliedern unserer oberflächlichen, sinn-losen Konsumgesellschaft wohl kaum zum Ausdruck bringen. Nicht nur besitzt die große Masse der Lockobjekte aus Kunststoff keinerlei Lehrwert, ihre Herstellung ist auch einer der unzähligen Gründe, weshalb die Wirtschaft fortwährend nach billigem Erdöl giert, und damit einer der Faktoren, die zu ökologischen Katastrophen etwa in China oder im Golf von Mexiko führen. Die Lebensqualität der kommenden Generation, die man mit solchen scheinbar “kinderfreundlichen” Angeboten bezirzt, wird hier in Wirklichkeit schamlos aufs Spiel gesetzt. Der schnelle Gewinn steht weit über der Sorge um den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und die Schonung von Luft, Wasser und Böden.

Der wirksamste Weg, sich diesem Aspekt der Verschwendung entgegenzustellen, wäre wahrscheinlich der Protest der Betroffenen. Will sagen: Aufgeklärte Kinder müssten sich dafür stark machen, dass die Plastikflut wieder aus ihren Zeitschriften verschwindet und das gesparte Geld in inhaltliche Verbesserungen fließt.

G.P.

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Käme es nicht der Erfüllung eines uralten Traumes gleich: Dass jeder Mensch genug zu essen hat, dass kein Kind mehr hungrig zu Bett geht, dass nicht die reichen Länder den ärmeren immer wieder peinliche Almosen geben müssen?

Die Antwort von Biologieprofessor Dickson Despommier heißt: Vertikale Landwirtschaft. Da die herkömmliche Landwirtschaft wegen der wachsenden Weltbevölkerung immer mehr unter Druck gerät und die zur Verfügung stehenden Flächen bald nicht mehr ausreichen, müssen neue Konzepte her. “Die Landwirtschaft muss jetzt denselben Weg gehen wie einst die Städte, sind viele Ingenieure überzeugt: in die Vertikale!”, schreibt Tobias Hürter im PM-Magazin vom Mai 2010.

Die Projekte verschiedener Ingenieurbüros sehen nicht nur atemberaubend aus, sie versprechen auch eine Menge Vorteile gegenüber des althergebrachten, horizontalen Ackerbaus:

1. Ganzjährige Produktion von Feldfrüchten; 1 ha Fläche im Innenbereich entspricht vom Ertrag her 4 bis 6 ha oder mehr im Außenbereich, je nach Art der Frucht (im Fall von Erdbeeren liegt der Unterschied bei 1:30)
2. Keine wetterbedingten Ernteausfälle durch Trockenheit, Überschwemmungen, Ungeziefer
3. Die Pflanzen werden biologisch angebaut, also ohne Herbizide, Pestizide und Kunstdünger
4. Der Oberflächenabfluss wird durch die Wiederverwertung des Schwarzwassers verhindert
5. Die landwirtschaftlichen Flächen werden der Natur zurückgegeben und erlauben die Wiederherstellung von Ökosystemen und derer Funktionen
6. Bedeutsame Verringerung vieler ansteckender Krankheiten, die im Außenbereich auftreten
7. Schwarzwasser wird durch das Auffangen des Wassers aus Evatranspiration in Trinkwasser umgewandelt
8. Durch die Methanproduktion aus der Kompostierung von nicht verwertbaren Tier- und Pflanzenabfällen wird dem Stromnetz Energie zugeführt
9. Der Verbrauch an fossilem Brennstoff sinkt beträchtlich (keine Traktoren, keine Pflüge, kurze Transportwege)
10. Verlassene städtische Grundstücke werden als Zentren der Nahrungsmittelproduktion aufgewertet
11. Es entstehen nachhaltige Milieus in den Stadtzentren
12. Es entstehen neue Arbeitsplätze
13. Wir können keine Kolonien auf dem Mond, auf dem Mars oder darüber hinaus planen, wenn wir nicht zuvor auf der Erde mit dem Innenanbau von Nahrungsmitteln Erfahrungen gesammelt haben
14. Senkrechter Ackerbau könnte nutzbringend in Flüchtlingslagern eingesetzt werden
15. Senkrechter Ackerbau könnte tropischen und subtropischen Entwicklungsländern einen messbaren wirtschaftlichen Fortschritt bringen und so zu einem Katalysator für die Verringerung oder gar Umkehrung ihres Bevölkerungswachstums werden, indem sie städtischen Ackerbau als eine Strategie für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion übernehmen
16. Senkrechter Ackerbau könnte die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten um natürliche Ressourcen wie Wasser und Ackerland vermindern

Vermutlich sind viele ökologisch orientierte Zeitgenossen skeptisch, wenn sie von diesem Hi-tech-Konzept erfahren, und sicher kann der vertikale Ackerbau nicht alle Ernährungsprobleme lösen. Der natürlichste, sicherste und sparsamste Weg dazu ist und bleibt die Selbstversorgung, d.h. die möglichst dezentrale, autonome Nahrungsmittelproduktion. Aber abgesehen davon, dass Despommiers Idee ohnehin in diese Richtung geht, indem sie den Anbau in die urbanen Zentren verlagert und so die Transportwege erheblich verringert, ist eben nicht zu leugnen, dass die horizontale Ausrichtung der Landwirtschaft auf einer überbevölkerten Erde eine nicht länger zu verantwortende Verschwendung darstellt. “Die Demographen schätzen, dass die Erdbevölkerung bis 2050 auf insgesamt 9,2 Milliarden Menschen anschwellen wird. Um diese alle zu ernähren, bedarf es einer zusätzlichen Agrarfläche so groß wie Brasilien. So viel ist gar nicht mehr vorhanden, sagt Despommier.” (Deutschlandfunk, Bio-Anbau im Wolkenkratzer, Sendung vom 18.06.2007.)

Außerdem macht der Mensch mit diesem kolossalen Flächenverbrauch anderen Lebewesen den Lebensraum streitig. Man stelle sich nur einmal vor, wie viele CO2-absorbierende Bäume auf dem z.Z. für den Ackerbau genutzten Land wachsen könnten (die 6,8 Milliarden Menschen, die derzeit die Erde bevölkern, nutzen eine Fläche von der Größe Südamerikas für Ackerbau und Viehzucht!).

Was jetzt vor allem gebraucht wird, sind Investoren, die die zukunftsträchtige Natur des Konzepts und der vielen bereits ausgearbeiteten Konkretisierungen in Form von Plänen und Modellen erkennen und sich darauf einlassen. Luxemburg wäre ein idealer Standort für ein solches Projekt: als kleines Land, das mit seiner Fläche haushalten muss, in dessen Kultur und Wirtschaft Ackerbau und Viehzucht eine bedeutende Stellung haben und das sich als technisch innovativ präsentiert, könnte es bei dieser neuen Agrarrevolution eine Vorreiterrolle übernehmen. Besonders die Industriebrachen des Südens könnten in vielerlei Hinsicht vom vertikalen Ackerbau profitieren.

Weitere Infos: auf Despommiers Internetseite, beim Deutschlandfunk, beim Architekten Vincent Callebaut

G.P.

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Ein furchtbares Wort: Ein Kind ist kein Gegenstand, also kann es nicht ge- oder missbraucht werden. Abgesehen davon gibt es wohl keinen Begriff, der die Abscheulichkeit der Gewalt gegenüber Kindern adäquat beschreibt. Vor allem hat diese Gewalt inzwischen so viele unterschiedliche Formen angenommen, dass es wahrscheinlich wenig hilfreich ist, sie in einem einzigen Ausdruck zusammenzufassen und damit zu banalisieren.

Zur Erinnerung:

- ca. 300.000.000 Kinder werden weltweit regelmäßig zur Arbeit gezwungen, davon 200.000.000 unter gesundheitsschädlichen Bedingungen;

- ca. 1.000.000 Kinder leiden unter sexueller Ausbeutung durch Familienmitglieder, “Betreuer” in Vereinen und Kirchen, Internetnutzer und Touristen;

- ca. 2.000.000 Kinder sind im vergangenen Jahrzehnt in Kriegen und anderen Konflikten ums Leben gekommen, 6.000.000 wurden schwer verwundet oder verstümmelt, über 300.000 müssen z.Z. als Soldaten herhalten. (510)

Dazu kommen viele weitere Formen der seelischen und körperlichen Vergewaltigung, die teilweise so subtil sind, dass sie nicht einmal als solche (an)erkannt werden:

- das Mobbing, die Bloßstellung und die Verachtung durch frustrierte LehrerInnen und ErzieherInnen;

- die emotionale Vernachlässigung durch Pseudoeltern, die ihre erzieherische Verantwortung unter fadenscheinigen Vorwänden an spezialisierte Institutionen wie Kitas abgeben;

- die Bestechung und Instrumentalisierung durch zerstrittene und getrennt lebende bzw. geschiedene Eltern;

- die Hofierung und Manipulierung durch raffinierte Werbekampagnen rücksichtsloser Geschäftsleute und Konzerne aller Art;

- das Vorleben hedonistischer, perverser und respektloser Umgangsformen durch Rapper, Magazine und Fernsehshows;

- die fortgesetzte unnachhaltige Ausbeutung und Vergiftung lebensnotwendiger Ressourcen durch kurzsichtige Wirtschaftsmagnate;

- und die Unfähigkeit der Politik, sich auf vernünftige, zukunftssichernde, weltweit bindende Schutzmaßnahmen zu einigen.

Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die ihre schwächsten Mitglieder, denen sie eigentlich Schutz und Vertrauenswürdigkeit schuldet, so massiv entrechtet, ausnutzt und verletzt? Wie dekadent sind Geschöpfe, die ihre eigenen Nachfahren so feige herabwürdigen und wie Konsumgüter behandeln? Denen im Umgang mit ihrem wehrlosen Nachwuchs jedes Tier überlegen ist?

Mehr noch: Wie pervers sind wir, wenn wir unseren Kindern und Jugendlichen vorwerfen, sie seien “ungezogen”, “respektlos”, “laut” und “faul”? Wer erzieht denn hier wen? Wer trägt Verantwortung? Und wer benimmt sich barbarisch?

G.P.

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Wenn uns die zeitgenössische Zivilisation nicht vertraut wäre, wenn wir aus einer anderen Epoche oder von einem anderen Planeten kämen, würde es uns überraschen, dass Millionen Leute sich gerne und gegen Bezahlung ansehen, wie Menschen einander umbringen und Schmerzen zufügen, und das dann als ‘Unterhaltung’ bezeichnen. – Eckhart Tolle (508)

Tolles Aussage wird noch rätselhafter, wenn wir nur jene Sparte der Unterhaltungsindustrie betrachten, die sich der Darstellung von fiktiven Zukunftsszenarien in Form so genannter “Science fiction-Filme” verschrieben hat. Die übergroße Mehrzahl dieser Filme – ob alt oder neu – beschreibt den verzweifelten Überlebenskampf und die apokalyptischen Zustände auf einer vom Nuklearkrieg oder von gewaltigen Naturkatastrophen verwüsteten Erde (The Omega Man, Logan’s Run, Time Machine, THX 1138, Soylent Green, Mad Max, Terminator, Alien, I Am Legend, Robocop, Wall-E, 2012, AI, Planet of the Apes, Total Recall, Blade Runner, Independence Day, Matrix, Children of Men, Transformers, …). Immer, so scheint es, geht es um furchtbare Waffen, Amok laufende Maschinen oder unempathische Außerirdische. Die vorherrschende Stimmung ist pessimistisch bis defätistisch, die Vision geprägt von Macht, Muskeln und Militär. Fast umsonst sucht man in der wachsenden Flut an SF-Leinwandspektakeln nach originellen, hoffnungsstiftenden Alternativen.

Es ist natürlich einfacher, die destruktive Seite des Menschen zu zeigen, mit der wir tagtäglich durch sensationsgierige Medien in allen Einzelheiten konfrontiert werden, als sich Gedanken darüber zu machen, wie die Gesellschaft sich positiv weiterentwickeln kann (und wird, sobald das Bewusstsein einer ausreichend großen Zahl von Menschen die nächste Entwicklungsstufe erreicht hat – siehe “Unterwegs nach Gebserville” unter “lesenswert”). Es ist einfacher, die alten, primitiven, testosterongesteuerten Konfliktschemen in nur oberflächlich veränderten, im Design der Waffen und Kostüme sich unterscheidenden Handlungen immer wieder aufleben zu lassen, als sich inhaltlich kreativen, spirituell-holistisch orientierten Visionen einer reiferen Menschheit zuzuwenden und den Zuschauer zu inspirieren statt mit Effekten zu betäuben.

Aber es gibt sie, diese Visionen, und sie haben in der intelligenten SF-Literatur seit langem ihren festen Platz. Zum Glück haben einige wenige, erleuchtete Zeitgenossen ihr Potenzial für Kino und Fernsehen erkannt und sie mit großem Erfolg umgesetzt, u.a. Michael Straczynski (Babylon 5) und Gene Roddenberry (Star Trek) , dessen Motivation in folgender Aussage deutlich wird: Sobald wir auf Sendung waren, (…) akzeptierten wir nicht den Mythos, dass das Fernsehpublikum ein kindliches Bewusstsein hat. Wir hatten eine Idee, und wir hatten eine Prämisse, und die haben wir immer noch. Tatsächlich entschieden wir uns dafür, die ganze Show für diese Prämisse aufs Spiel zu setzen. Wir nahmen an, dass das oft gescholtene Massenpublikum vom kleinlichen Nationalismus
dieser Welt und ihren alten Institutionen und ihrem Hass abgetörnt ist; und dass die Leute nicht nur dazu bereit, sondern begierig darauf sind, jenseits der meisten kleinlichen Überzeugungen zu denken, die die Menschheit für so lange Zeit
zersplittert haben. (…) Star Trek beweist, so fehlerhaft einzelne Episoden auch sein mögen, dass der oft verleumdete einfache Mann und die einfache Frau einen enormen Hunger nach Geschwisterlichkeit haben. Sie sind jetzt bereit für das 23. Jahrhundert, und sie sind ihren kleinlichen Regierungen und ihren visionslosen politischen Führern um Lichtjahre voraus.”
(509)

Es wird höchste Zeit, dass die SF-Film-Industrie in diesem Sinn ihre Mitverantwortung für die Erziehung der jungen, medienhungrigen Generation  erkennt und vermehrt in die Produktion von konstruktiv-kreativen Geschichten investiert – sicher nicht zum eigenen Schaden. Die Menschen des 21. Jahrhunderts brauchen eben nicht länger Unter-Haltung, d.h. ihr Bewusstsein soll nicht mehr unten, in überflüssigen bis schädlichen Paradigmen, gehalten werden; sie brauchen Über-Legung, Hoffnung, Inspiration.

G.P.


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Etwas nehmen – es benutzen – es aufräumen; etwas borgen – es verwenden – es zurückgeben; etwas kaufen – es verbrauchen – Reste entsorgen; an einen Ort gehen – dort etwas tun – den Ort säubern; … Klingt das bekannt? Oder nur halbwegs? Für mich war es lange Zeit selbstverständlich, in meiner Lebenswelt solche “Kreise der Ordnung” zu erfahren und daran teilzuhaben. Doch fiel und fällt mir im Lauf der Jahre und Jahrzehnte immer häufiger auf, wie diese Kreise zerfallen, wie sie ungeschlossen bleiben, wie die drei Teilhandlungen auf zwei zusammenschrumpfen und der letzte Schritt, derjenige der die Ordnung wiederherstellt, ausbleibt.

Das gilt sowohl für mein Zuhause und meinen Arbeitsplatz als auch für die Vereine und Veranstaltungen die ich besuche: Es werden Dinge geholt und gebraucht, aber danach vergessen, verloren, zurückgelassen und für Nachkommende nicht wieder aufbereitet. Die halbvolle Tasse kalter Tee auf dem Couchtisch, das herumliegende Buch aus der Bibliothek, die schmutzige Wäsche auf dem Boden, das brennende Licht im Bad, der laufende Fernseher, die geborgte DVD im DVD-Player, die leere Chipspackung unter dem Schreibtisch, die Alufolie im Papiercontainer, aber auch Millionen nicht mehr aufgefrischter Internetseiten– das sind nur ein paar, vergleichsweise harmlose Beispiele von solchen zerrissenen Ordnungsketten.

Ist diese Tendenz nun eine Folge wachsender Selbstsucht (“Hauptsache, ich bekomme meinen Teil”) bzw. abnehmenden Verantwortungsgefühls (“Irgendwer wird’s schon richten”), oder hängt sie zusammen mit der “Zerhacktheit” unserer oft medial verzerrten Lebenswirklichkeit und dem immer-woanders-Sein, der mangelnden Gegenwärtigkeit, die Eckhart Tolle anprangert? Mit anderen Worten: Vergessen die Menschen Dinge zurückzubringen, aufzuräumen, zu reinigen und für den Nächsten wieder gebrauchsfertig zu machen, weil sie in Gedanken bereits bei ihrem darauffolgenden Handeln sind?

In diesem Fall wäre es in der Tat dringend nötig, das Verweilen im Augenblick neu zu lernen – in den Schulen, am Arbeitsplatz, in der Familie – , denn der gebrochene Kreis besteht auch im Großen, auf der Ebene des Umgangs mit unseren Ressourcen, und hier gefährdet er unser aller Überleben.

G.P.

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Aus der Zeit wollt ihr einen Strom machen, an dessen Ufer ihr sitzt und zuschaut, wie er fließt.
Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewusst.
Und weiß, dass Gestern nichts anderes ist als die Erinnerung von Heute und Morgen der Traum von Heute.
Und dass, was in euch singt und sinnt, immer noch innerhalb der Grenzen jenes ersten Augenblicks weilt, der die Sterne in den Weltraum schleuderte.

- Khalil Gibran (507)

In ihrem Online-Studium von Eckhart Tolles wichtigem Buch Eine neue Erde reflektieren Oprah Winfrey und der Autor über die Wichtigkeit, sich des gegenwärtigen Augenblicks bewusst zu bleiben und sich nicht von Denkprozessen beherrschen zu lassen. Hier ein Ausschnitt:

ET: Wir müssen lernen, in unserem Alltag so oft wie möglich diese Kraft des gegenwärtigen Augenblicks zu finden. Denn tun wir es nicht, werden wir ständig von der gewohnheitsmäßigen Konditionierung unseres Denkens mitgezogen, von den alten Denkschemata, den üblichen Reaktionen usw. Es gibt in der Tat viele kleine Dinge die man tun kann, um auf die Energie des Jetzt zuzugreifen. (…) Wenn wir ganz alltägliche Bewegungen ausführen – etwa die Hände waschen, ein Zimmer durchqueren, eine Treppe hinuntergehen oder eine Tasse aus dem Schrank holen – sollten wir es bewusst tun, so, dass wir bei allem völlig gegenwärtig sind, dass wir z.B. beim Händewaschen das Wasser spüren, die Seife riechen. (…) Sinnesempfindungen, sich der Sinnesempfindungen intensiv bewusst werden führt in die Gegenwart.

OW: Wie hilft das mir? Ich habe nämlich begonnen es beim Treppensteigen zu tun. (…) Ich war einfach da, in der Bewegung. Ich fühlte die Bewegung meines Körpers und wie viele Teile meines Körpers sich bewegen müssen um mich die Treppe hinaufzubringen.

ET: Ja. Und dann sagt der Verstand: “Was soll das?”

OW: Der Verstand sagte: “Na gut, du bist jetzt bewusst die Treppe hochgegangen. Und nun?”

ET: Und der Körper sagt: “Ich muss an wichtigere Dinge denken.”

OW: Genau. Mein Körper fragte: “Was hat dir das jetzt gebracht?”

ET: Dem Verstand bedeutet das alles überhaupt nichts, weil du eine andere Bewusstseinsebene betrittst, die er nicht begreifen kann. Aber genau so schaffst du Bewusstsein. Es ist das Ende der alten Konditionierung. (…) Du öffnest dich einem Bewusstsein, das völlig neu ist und aus dem gegenwärtigen Augenblick geboren wird. Und je häufiger du solche Phasen der Gegenwärtigkeit in dein Leben bringst, desto mehr verschwindet deine alte Konditionierung.

OW: Ich verstehe. Ich kann das also beim Händewaschen lernen. Das sehe ich ein.

ET: (…) Die meisten Menschen leben so, dass alles was sie tun ein Mittel zu einem Ziel ist. Und das Ziel ist das was sie erreichen wollen – der nächste Augenblick.

OW: Genau. Also denken sie nie an die Gegenwart.

ET: Nein, denn sie möchten einen zukünftigen Zeitpunkt erreichen. Sie waschen sich die Hände, um schon etwas anderes zu tun. Oder während sie eine Tasse Kaffee kochen, wollen sie sie bereits trinken.

OW: Jon Kabat-Zinn sagt in seinem Buch “Coming to Our Senses”, dass die meisten Menschen zwar jeden Morgen unter der Dusche stehen, aber eigentlich nie die Dusche erleben, weil sie im Geist bereits in ihrem Büro sind.

ET: Ja. (…) Und dann wird alles was sie tun Mittel zum Zweck. Der Zweck ist immer der nächste Moment in der Zukunft, ein Zeitpunkt den sie nie erreichen werden, weil alles was sie je haben der gegenwärtige Augenblick ist.

OW: Der gegenwärtige Augenblick. Also sind sie dauernd frustriert, schaffen sich selbst Sorgen und Stress. (…) Weil sie einfach nicht im Jetzt leben können.

ET: Die Energie kann nur in unser Leben fließen wenn wir völlig gegenwärtig sind in dem, was wir jetzt gerade tun. Und deswegen verfügen die meisten Menschen nicht über diese Energie. Weil sie ihr Leben immer auf das Kommende richten und so den gegenwärtigen Zeitpunkt abwerten.

OW: Ich verstehe. Deshalb lehrt uns das Steigen einer Treppe, das bewusste Sein beim Treppensteigen, wie wir auch in anderen Dingen gegenwärtig sein können.

ET: Ja. Und dann lernen wir nach und nach gegenwärtig zu sein, wenn wir uns bei anderen Menschen aufhalten. Wir können bei jeder Arbeit, die wir tun, ganz gegenwärtig sein, so dass die Arbeit nicht Mittel zum Zweck ist, sondern wir völlig aufgehen in dem, was wir gerade tun.

(Übersetzung: gp)

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Wenn ich unterwegs die Leute so betrachte – vor allem im Winter – bekomme ich manchmal richtig Mitleid mit unserer Spezies. Wie körperlich schwach wir doch sind, wie abhängig von Hilfsmitteln, Körperschutz, Technik! Da laufen wir umher in unseren mehreren Schichten Kleidern, umhüllt von Unterwäsche, Hemden, Hosen, Pullovern, dicken Mänteln, Schals, Mützen oder Ohrenschützern, Handschuhen, Strümpfen und Stiefeln und frieren trotzdem noch. In der Hitze des Sommers halten wir es oft nicht mehr ohne Sonnenbrille und Sonnenhut, Klimaanlage oder Ventilator aus, und wenn wir unsere Haut der Sonne aussetzen möchten, müssen wir uns mit allen möglichen Lotions davor, während und danach einreiben.

Richtig fortbewegen tun wir uns fast nur noch in Fahr- oder Flugzeugen, die ihre Energie von größtenteils lange gestorbenen Lebewesen beziehen. Zu Fuß oder mit selbst angetriebenen Hilfsmitteln sind die meisten von uns erbärmlich langsam und erfolglos.

Viele, selbst Jugendliche, tragen Brillen oder Kontaktlinsen und Zahnspangen, manche haben Perücken, künstliche Gelenke, Herzklappen. Die große Mehrheit ist gegen mehrere Krankheiten geimpft und schluckt außerdem regelmäßig irgendwelche Vitaminpräparate, Pillen gegen Magensäure, Antidepressiva oder Ritalin. Trotzdem plagen uns Asthma, Sinusitis, Arthrose, Allergien, Anorexie oder Übergewicht.

Dazu kommt die ständige Belastung unserer Wirbelsäule durch unseren eigentlich völlig unnatürlichen aufrechten Gang. Laut Statistik leiden 9 von 10 Menschen ab dem 25. Lebensjahr mindestens einmal unter Rückenschmerzen und viele haben einen Rund- oder Schiefrücken und Bandscheibenprobleme.


Vergleichen wir unsere natürliche Körperbehaarung, unsere Zähne und Nägel mit jenen der anderen Säugetiere, so erscheinen wir kaum als die “Krone der Schöpfung”, für die wir uns gern selbst halten. Im Gegenteil: kaum ein Lebewesen ist so hilflos und empfindlich wie wir. Ständig müssen wir uns ‘fit’ halten, müssen künstlich Muskeln trainieren, hin und her joggen, strampeln, schwimmen und rudern, damit wir nicht noch schwächer werden. Selbst unsere Nahrung müssen wir größtenteils erst durch Kochen oder Braten weich machen, bevor wir sie verzehren.

Ohne unsere zahlreichen Hilfsmittel, die uns erlauben die “natürliche Auslese” zu überlisten, wären wir wahrscheinlich längst von der Erdoberfläche verschwunden. Mit diesen Mitteln allerdings drohen wir unseren Erfolg so weit zu treiben, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören und ebenfalls aussterben … .

G.P.

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Überall wird demjenigen Glück zuteil, dessen Herz zufrieden ist: Fühlt sich für den, der Schuhe an den Füßen trägt, der Erdboden nicht an wie mit Leder überzogen? - Hinduismus (506)

Wie oft höre ich von Kindern, die in ihrer Klasse mit anderen nicht zurechtkommen oder Schwierigkeiten mit dem Lernen haben, sie würden gern die Schule wechseln. Sie glauben, dass es reicht eine andere Umgebung aufzusuchen, um ihre Probleme zu lösen. Auch bei Erwachsenen herrscht oft die Überzeugung, alles werde besser, wenn sie nur “woanders” hingingen.

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass ein Standortwechsel unsere Lage positiv beeinflusst, sofern äußere Faktoren an unserem Unglück mitwirken. Aber sehr häufig sind wir selbst, sind unsere Gewohnheiten und Überzeugungen maßgeblich an der Situation beteiligt, und es erfordert weit mehr (bzw. – materiell gesehen – weniger) als eine Flucht, um Zufriedenheit zu erlangen.

Nur wer sich regelmäßig mit sich selbst auseinandersetzt, seine Einstellungen hinterfragt, sein Ego züchtigt und durch Meditation Verbindung zu seinem Urselbst pflegt, kann die echte Freiheit erlangen, die ortsunabhängig ist. Nur wer dem Sein mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem Haben – was in der heutigen Konsumgesellschaft viel Disziplin erfordert – kann die Zufriedenheit und Dankbarkeit empfinden, die alle widrigen äußeren Umstände wie das Wasser am Federkleid der Ente abperlen lässt. Nur wer die Sonne in sich trägt, fühlt sich auch im Unwetter wohl.

Diese innere Entspanntheit, diese spirituelle Gesinnung zu kultivieren, ist m.E. eine der aufregendsten und wichtigsten Aufgaben der Gegenwart.

G.P.


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Das Auto hat keine Fehler. Das Auto ist ein Fehler. – anonym (500)

Obwohl du in diesem Land, in dieser Region verhältnismäßig unbeschadet deine Meinung äußern und deine Volksvertreter frei bestimmen darfst (wenn auch das Angebot eher dürftig ist), behaupte ich, du lebst in einer Autokratie. Nicht im Sinne der “Selbstherrschaft”, sondern in dem der “Automobilherrschaft”. Das wird nicht nur an der Beliebtheit des “Autofestivals” deutlich. Und was gibt es da eigentlich zu feiern? Die dreifache CO2-Belastung der Atmosphäre bei Herstellung, Nutzung und Verschrottung der Fahrzeuge? Den erschreckend niedrigen Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors? Die Versiegelung der Landschaft? Die Kriege und Umweltkatastrophen, die die Gier nach Erdöl verursacht? Den Lärm, den Staub, die Tausenden von Verkehrstoten? Feierst du mit?

Dem Auto geht es zur Zeit wie einem Dinosaurier in der Endzeit. Es spürt, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, dass der Raum zum Überleben immer enger wird. Deshalb rafft es sich in seiner Verzweiflung nochmals zu Höchstleistungen auf. - anonym (501)

Vermeintlich wird mit dem Auto die Freiheit gefeiert, die Mobilität. Aber gibt es sie wirklich noch, und wenn ja, zu welchem Preis?

Früher fuhr man dorthin, wo es etwas Schönes zu sehen gab. Heute fährt man dahin, wo es einen Parkplatz gibt. – Françoise Arnoul (502)

Das Auto ist eine gut gemeinte Erfindung, die aber weder wirklich durchdacht noch für eine massenhafte Verbreitung geeignet ist. Die Schäden die es verursacht sind enorm, und sie beschränken sich nicht auf Luftverschmutzung und Lärmbelästigung.

Die Eindringtiefe des Autos in unsere mentalen Landkarten lässt sich etwa daran ermessen, dass man Staus zur Urlaubszeit für normal hält, 4.000 Verkehrstote für gering oder den Landschaftsverbrauch durch Straßen für gerechtfertigt – wenn es dem Verkehrsfluss dient, darf’s gern noch eine Spur mehr sein, obwohl uns die Kybernetiker seit 30 Jahren vorrechnen, dass er gerade dann nicht fließt, der Verkehr, wenn besonders viel Bahn da ist. – Harald Welzer (504)

Das Automobil hat die ganze Gesellschaft in seinem Sinne umgeformt und sie von sich abhängig gemacht. Die Infrastruktur der Städte und Siedlungen dient heute dem Individualverkehr. Die Zentralisierung von Arbeitsplätzen, Geschäften und Kulturstätten ist eine Folge der ursprünglich naiv angenommenen und linear gedachten Entwicklungsmöglichkeiten dieser Art von Fortbewegung; sie selbst wiederum führt zu einem unglaublich verschwenderischen Umgang mit Energie, zu Anonymität, Unsicherheit, Stress und Gesundheitsproblemen.

Müssen Kinder in der Garage bleiben, damit Autos draußen spielen können? – anonym (503)

Letztlich trägt die strukturelle Vergewaltigung des menschlichen Lebensraums durch das Automobil die Hauptschuld an der Arbeitslosigkeit. Kleine, autonome Siedlungen mit kurzen Verbindungswegen sind nämlich nicht nur gesünder und beziehungsfreundlicher, sondern auch arbeitsintensiver, energieeffizienter und zeitsparender als große Städte mit tagsüber fast ungenutzten Vororten. Die Frage lautet nur: Wann sieht der Mensch das ein, wann überwindet er seine noch gar nicht alten automobilen Süchte und Gewohnheiten und denkt endlich darüber hinaus? – Denn es geht tatsächlich um ein “weiter”, nicht um ein “zurück”. Es geht um dezentralisierte Arbeitsplätze, lokale Dienstleistungsbetriebe, eine regionale Lebensmittelproduktion.

(Das) Problem (ist) nicht ein spezifischer Typ von Antrieb zur Verwirklichung von Mobilitätsvorstellungen, sondern das Konzept von Mobilität, dem die Bewohner moderner Gesellschaften huldigen. Nicht nur sie selbst halten es für sinnvoll und normal, ausgerechnet in Zeiten ungeahnter und weltumspannender Kommunikationsmöglichkeiten pausenlos unterwegs zu sein, sondern schicken auch die Waren und Güter, die sie zu benötigen glauben, auf so unendliche Reisen, dass ein Apfel schon 10.000 Kilometer zurückgelegt haben kann, bevor er gegessen oder in der Tonne für Ökoabfälle entsorgt wird, weil er überflüssigerweise gekauft wurde. – Harald Welzer (504)

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass ein “Autofestival” vor allem dazu dient, die Unlust und Unfähigkeit zu überspielen, die viele von uns materiell Verwöhnten mit der bewussten Änderung ihrer Gewohnheiten im Hinblick auf Mobilität haben – oder vielleicht die Angst davor, in einem unkreativen, konformistischen Umfeld das Neue zu wagen.

Haben sich die Autokonstrukteure eigentlich schon Gedanken darüber gemacht, dass der Wagentyp der Zukunft hauptsächlich für die Garage bestimmt ist? – Marcel Duglos (505)

G.P.

Quellen: 500, 501, 502, 503, 505 – www.zitate.de, Stichwort “Auto” ; 504 – Deutschlandfunk, Sendung “Wohlstand ohne Wachstum

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Es ist eigenartig wenn du bedenkst, dass möglicherweise jede Form in unserem Universum der materielle Ausdruck, die Verkörperung desselben ewigen und unbegrenzten Bewusstseins ist. Jeder Stein auf den du trittst, jede Blume die du riechst, jeder Vogel den du hörst, jedes menschliche Wesen mit dem du sprichst ist nur (nur?) eine winzige Welle, die für kurze Dauer aus demselben  mächtigen Ozean der Stille bricht. Wenn du mich anblickst siehst du dich selbst in einer anderen Gestalt. Eine kraftvolle Wahrheit, die alles miteinander verbindet und uns helfen kann, die Absurdität von Gier und Gewalt zu erkennen.

G.P.

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